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Genuss-Handwerk
Auf eine Zigarre mit dem Zigarrenmacher

Zigarren stammen aus Kuba oder Nicaragua? Nicht alle. In Hamburg-Altona betreibt Stefan Appel einen der letzten Herstellungsbetriebe für Zigarren in Deutschland – und einen der bestsortiertesten der Hansestadt.

Als dünner, grauer Faden schlängelt sich der Rauch in Richtung Decke, kaum sichtbar, wird er verschluckt von der Absauganlage. Stefan Appel hat sie installiert, damit es in der Wohnung über ihm nicht zu sehr nach Zigarrenrauch riecht. „Ich möchte die Nachbarn nicht belästigen“, sagt der Mann, der hier in Hamburg-Altona seit 26 Jahren handgefertigte Zigarren aus aller Welt verkauft.

Stefan Appel gehört der letzte Zigarrenladen der Hansestadt, in dem die Rauchwaren auch noch selbst in alter Tradition hergestellt werden. Tausende Zigarren aus Kuba, aus der Dominikanischen Republik, aus Nicaragua oder Honduras stapeln sich zusätzlich in den braunen Regalen. In jeder Größe, in jeder Dicke – hier gibt es alles, was das Zigarrenraucherherz begehrt, preislich von 0,40 Euro bis 25 Euro das Stück. „Und wer das noch nicht weiß, den berate ich gern“, erklärt er.

Die Herkunft der Zigarren wirkt sich auf den Geschmack aus, da das unterschiedliche Mikroklima für unterschiedliche Tabakpflanzen sorgt, eine andere Reifung des Rohtabaks mit sich bringt und der Zigarre am Ende ihr eigenes geschmackliches Gesicht gibt. Während beispielweise kubanische Zigarren eher stark sind, erscheinen dominikanische eher mild. Vor allem kommt es aber auf den Herstellungsprozess an: Jedes Land hat zwar seine Charakteristik, dennoch sind handgerollte Zigarren in ihrer jeweiligen Komposition einzigartig.

Vom Angestellten zum Zigarrenmacher

„Dünne Zigarren produzieren eher heißen, scharfen Rauch und Geschmack, dicke garantieren kalten, weichen.“ Zwischen seinen Fingern geht die kubanische Ramon Allones, seine Lieblingszigarre, immer wieder aus. Zu groß sind die Pausen während des Erzählens. Wer seine Zigarre schnell raucht, ist in 20 Minuten fertig; wer sich dabei unterhält, braucht auch mal eine Stunde und mehr. In der kleinen Lounge im Hinterzimmer des Altonaer Ladens stehen vier gemütliche schwarze Ledersessel, ein Kaffeeautomat und Aschenbecher.

Hier sitzt Stefan Appel und berichtet, wie sehr ihn sein Job in einem Metallbetrieb in den 90er-Jahren angeödet hat und wie dankbar er für die Chance war, etwas völlig anderes zu machen. Über einen privaten Kontakt hörte er davon, dass der Betreiber des alteingesessenen Zigarrenladens „Otto Hatje“ Unterstützung suchte.

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Ich habe das ganze hier nie als Arbeit empfunden. Der Zigarrenladen gehört zu mir.
Stefan Appel

Fünf Jahre arbeitete er als Angestellter, lernte in verschiedenen Familienbetrieben in Deutschland das Handwerk des Zigarrenrollens und übernahm das kleine Geschäft schließlich als Pächter. „Letztes Jahr habe ich alles neu gemacht“, erzählt Appel, „denn nun gehört der Laden wirklich mir.“ Seit er die Pachtverträge gekündigt hat, steht auch der neue Name draußen an der Scheibe: „Der Zigarrenmacher“ – sein Laden. Kaum mehr als zwei Meter fünfzig sind es von einer Wand zur nächsten, die Regale ragen bis unter die Decke des Altbaus. Appel ist kein Mann der großen Worte, sondern einer, der es liebt, sein Ding zu machen. „Ich habe das Ganze hier nie als Arbeit empfunden“, sagt der gebürtige Bergedorfer und zweifache Familienvater. „Der Zigarrenladen gehört zu mir.“

Blätter aus warmen Gefilden

Ein wichtiges Element des Ladens ist die Werkbank direkt am Eingang. Sie verbildlicht die Urprünglichkeit der Zigarre – braune Tabakblätter liegen darauf, ein paar Zigarren sind noch eingespannt. Mehrmals pro Woche kommen Besuchergruppen von geführten Altona-Rundgängen vorbei, die ihm bei der Arbeit über die Schulter schauen wollen.

Blätter anfeuchten über Nacht, den Fülltabak zerkleinern, der aus Sumatra, Brasil und Java besteht daraus mit dem Umblatt eine Einlage herstellen, den so genannten Wickel, der zunächst eine gute Stunde gepresst wird. Der wird danach mit dem Deckblatt umwickelt und abschließend getrocknet. Wird sie nicht innerhalb von 24 Stunden geraucht, muss sie im so genannten Humidor, einer speziellen Zigarrenkiste aus Holz, gelagert werden.

Die Zigarre an sich ist mit geübten Handgriffen, dem richtigen Material und bei entsprechender Vorbereitung an einem Tag fertig. 160 Stück schafft Stefan Appel so an einem Tag. Was in der Herstellung besonders Zeit braucht, ist die Vor- und Nachbereitung. Die Blätter müssen nach der Ernte getrocknet und fermentiert werden, und auch nachdem sie gerollt sind, müssen die Zigarren bei Luftfeuchtigkeit von 70 bis 75 Prozent nachreifen.

Appel ist der Letzte, der in Hamburg als Herstellungsbetrieb angemeldet ist und produzieren darf. „Ich drehe die Zigarren aber nur noch fürs Publikum“, gesteht Appel, „und weil ich nicht möchte, dass dieses Handwerk hier ausstirbt.“ Die in Deutschland produzierten Zigarren, die er als Eigenmarke feil bietet, stammen aus anderen deutschen Betrieben.

Zigarren sind was für Männer.
Stefan Appel

Nichts für Heizpilze

Zigarren zu verkaufen ist kein Job für Schnacker. Eine ehrliche Beratung, das sei es, worauf er Wert lege, betont Appel. Er ist kein Verkäufertyp, schwatzt keinem etwas auf, aber er hört gern zu. In seiner Lounge zum Beispiel treffen sich täglich die Zigarrenraucher des Viertels, die sonst vielleicht auf den Balkonen oder unter Heizpilzen vor den Restaurants sitzen müssten. „Eine Zigarre draußen bei fünf Grad – das geht nicht“, meint Appel. „Alles, was an Geruch in der Nase aufsteigt, das ist verloren, wenn man draußen sitzt.“

Und so findet seine kleine gemütliche Ecke auch regen Zuspruch. Hier treffen die unterschiedlichsten Leute aufeinander: Bänker, Professoren, Postboten. Menschen, die sich sonst wahrschlich niemals kennengelernt hätten, rauchen im friedlichen Miteinander. Auch eine Frau, eine der wenigen. „Zigarren sind was für Männer“, stellt Appel fest, auch wenn er nicht sagen kann, warum das so ist.

Manche der regelmäßig wiederkehrenden Rauchgäste haben zudem ihre eigene Flasche mitgebracht – Whiskey, Rum oder Rotwein. Sie stehen im Regal mit Namensschildchen versehen im Regal. Denn verkaufen und ausschenken darf Appel hier zwar nicht, doch Alkohol passt einfach zu gut zur Zigarre. Was die Gästezahl und die generelle Nachfrage betrifft, hat der Zigarrenmacher in den letzten Jahren einen Zustrom gespürt. Keinen Hype, aber ein gutes Niveau. „Zigarrenrauchen hat einfach sehr viel mit Genuss zu tun – und nichts mit Sucht“, erklärt Appel und lässt die Zigarre, nur noch wenige Zentimeter lang, endgültig ausgehen. „Und Genuss, Entschleunigung, das sind heute einfach aktuelle Themen.“

Der Zigarrenmacher

www.der-zigarrenmacher.de

Alte Königstraße 5

22767 Hamburg

040 – 385409

Di, Mi, Fr: 10.00 bis 19.00 Uhr

Do: 10.00 bis 21.00 Uhr

Sa: 10.00 bis 15.00 Uhr

Neben dem Zigarrenmacher gibt es noch weitere Traditionsbetriebe innerhalb von Deutschland, mit besonderen Vorführungen oder Aktivitäten:

Dan Pipe

Gut sortierter Zigrren- und Ofeifenladen, mit alljährlicher Pfeifenmacher-Vorführung in der Adventszeit.

Hafenstr. 30
21481 Lauenburg

Tel.: 04153 – 59890

www.danpipe.de

Mo-Fr: 10:00 bis 18:00 Uhr
Sa: 10:00 bis 14:00 Uhr (Adventszeit bis 16:00 Uhr)

Zechbauer

Mit eigener Marke, die exklusiv für das Traditionsunternehmen hergestellt wird.
Residenzstraße 10
80333 München

089 – 29013026
Mo-Fr, 10.00 – 19.00 Uhr
Sa 10.00 bis 18.00 Uhr

www.zechbauer.de

Christo Zigarrenmanufaktur

Die manuelle Fertigung, das Rollen und Wickeln der Zigarren und Zigarillos, erfolgt durch Behinderte des „Christopherushofes“. Dieser Hof ist auch Namenspate für die Manufaktur, die ihre Produkte und den Herstellungsprozess regelmäßig auf Messen und Märkten demonstrieren, zum Beispiel: Sächsische Weihnacht, 16. & 17. Dezember (3. Advent), Schloss Wackerbarth in Radebeul bei Dresden

Zigarren-Manufaktur „Christo Werkfleiß“

Bayrische Straße 13

07356 Bad Lobenstein

036651-398928

www.christo-zigarre.de

Firma Stephani

Zigarrengeschäft in dritter generation mit Rauch-Workshops und Events.

Bahnhofstr. 17

94032 Passau

Mo-Sa: 8:30 bis 18:00 Uhr

(0800) 0005510

www.zigarre.de