Blockchain
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Blockchain
Kettenreaktion in der Sharing Economy

Blockchain hat das Zeug, die Welt zu verändern – oder zumindest den Umgang mit Geld, Verträgen und Ideen. Was genau ist Blockchain und welche Start-ups beschäftigen sich in Deutschland mit der Technologie?

Zugegeben, es ist nicht leicht zu verstehen, was genau die Blockchain eigentlich ist. Versuchen wir es: Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, die konstant und chronologisch in Reihe Transaktionsdaten speichert. Wie eine Kette, die ständig um neue Elemente verlängert wird, mit Kopien der Datensätze auf jedem Rechner, der Teil des Blockchain-Netzes ist. Kompliziert, abstrakt, aber: super sicher. Und vor allem mit einem enorm großen Potential, der Digitalisierung unseres Alltags und dem Internet der Dinge zu begegnen. „Die technologische Revolution der Blockchain wird einen ebenso großen Impact auf jeden Wirtschaftsbereich haben wie das Internet selbst“, prognostiziert William Mougayar, amerikanischer Blockchain-Experte und Autor des Buches „The Business Blockchain“.

Wofür traditionelle Geldhäuser bis zu sechs Tage brauchen, erledigen wir in wenigen Stunden
Robert Harrison, Berliner Start-up Bitwala

Blockchain: Das Portemonnaie von Bitcoin

Entwickelt wurde die Blockchain einst als Portemonnaie der Krypto-Währung Bitcoin. Diese rein digitale Währung ohne jegliche physikalische Entsprechung brauchte eine Basis zur Verwaltung. Wer wann wohin wem Bitcoins überweist, wird in diesen aneinander geketteten Blocks gespeichert, die auch jeweils den Inhalt der vorherigen Blocks gespeichert haben. Abgelegt sind die Informationen auf der ganzen Welt auf den Rechnern sogenannter Miner, die im Dienste der Allgemeinheit Rechenkapazitäten zur Verfügung stellen und die Software ihre Arbeit erledigen lassen.

Der Vorteil: Da alle Transaktionen aufgezeichnet und von jedem einsehbar sind, ist die Sache extrem fälschungssicher. Wer hier manipulieren möchte, müsste sich in 51 Prozent der beteiligten Rechner hacken. Gleichzeitig entfallen mit der Verwendung von Blockchain langwierige Prozesse wie etwa Überprüfungen oder Verifizierungen.

Blockchain setzt die Banken unter Druck

„Wofür traditionelle Geldhäuser bis zu sechs Tage brauchen, erledigen wir in wenigen Stunden“, sagt Robert Harrison vom Berliner Start-up Bitwala. Das gerade 20 Mann starke Unternehmen ist eines der vielversprechendsten Blockchain-Unternehmen derzeit. Spezialisiert auf den Transfer zwischen klassischen Währungen und Kryptowährungen, zählt die 2015 gegründete Firma mittlerweile 60.000 Kunden weltweit – und allein im September 2017 einen Transfer von zehn Millionen Euro. Eine europaweit einmalige Visa-Karte, die die Auszahlung von Bitcoins in Euro ermöglicht, sowie eine beantragte Banklizenz macht Bitwala auch für traditionelle Banken interessant.

„Es gab durchaus schon Anfragen für Kooperationen“, sagt Harrison. Vor allem die Banken geraten unter Druck, wenn durch die unkompliziert werdenden Transfers junge Unternehmen in ihren Becken nach Kunden fischen. „Mit Blockchain wird jeder zum Selbstverwalter seiner Finanzen“, bekräftigt Harrison, „auch wir sind nur die Zahlungsdienstleister für Transaktionen.“

Aktienhandel, Edelsteine und Zahlungsverkehr

Während Bitcoins und andere Kryptowährungen – über 60 hat allein Bitwala im Angebot – rein der Bezahlung weltweit dienen, ist die Geldbörse drum herum weit über alles hinausgewachsen, wofür sie einst kreiert wurde. Mittlerweile existieren zahllose vielversprechende Start-ups, die sich auf Basis der Blockchain-Technologie ein Imperium aufbauen wollen. Alle erdenklichen Geschäfte und Verträge zwischen Menschen, die sich nicht kennen und nicht trauen, können über die Blockchain sicher abgewickelt werden – ohne Notare. Der internationale Zahlungsverkehr profitiert davon ebenso wie der Aktienhandel oder Onlinemarktplätze. Einträge ins Grundbuch, das in der Blockchain gespeichert ist, sind ebenso sicher hier aufgehoben wie beispielsweise Echtheitszertifikate von Edelsteinen.

Mit Blockchain wird jeder zum Selbstverwalter seiner Finanzen.
Robert Harrison

Mehr als 1200 Start-ups weltweit entwickeln und etablieren zurzeit Geschäftsmodelle rund um die Blockchain. Neben dem Finanz- und Versicherungssegment stürzen sich auch Energieversorger und Mobilitätsdienstleister auf die neuen Möglichkeiten im Sinne der Sharing Economy. Berlin hat sich als Blockchain-Metropole etabliert und beheimatet neben Bitwala andere aufstrebende Start-ups wie Lisk, Monax oder Jolocom.

Während Lisk vor allem eine Basis für Blockchain-Applikationen ist, tritt Monax beratend für Unternehmen auf, die die Blockchain-Technologie in ihrem Unternehmen einführen wollen. Jolocom indes will seinen Kunden helfen, Informationen über sich selbst aus dem Internet zu sammeln und zu verbreiten.

Die Datenbank IPDB soll kreative Inhalte schützen, Etherum kooperiert mit RWE und bietet eine Smart-Contract-Plattform an, um die Zahlung an Stromtankstellen zu erleichtern. Die Möglichkeiten scheinen unendlich. In den USA müssen Brautleute nicht mal mehr vor den Altar treten, sondern quasi nur noch vor die Blockchain.

„Die Technologie ist noch sehr jung“, bestätigt auch Robert Harrison. „Welche Möglichkeiten sich da noch bieten, ist kaum abzusehen. Wir befinden uns jetzt an den Anfängen, an denen das Internet stand, als so etwas wie Amazon noch völlig utopisch war.“