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Digitalisierung
Die digitalisierte Welt der Biene

Während Monokulturen und Pestizide die Landbienen bedrohen, werden den Stadtbienen vor allem Krankheiten zum Verhängnis. Doch die Digitalisierung liefert immer mehr innovative Lösungen für Bienen und Imker.

Stellt das Internet der Dinge („Internet of Things“ oder „IoT“) für manche eine beängstigende Zukunftsvision dar, löst es bei anderen eine regelrecht kindliche Begeisterung aus. Wie hilfreich Vernetzung sein kann, zeigt eine Innovation der vergangenen Jahre, die Internet-Pessimisten wie -Optimisten gleichermaßen zugutekommt: ein Bienenstock-Sensor, der Imkern mittels der schmalbandigen Funktechnik NB-IoT („Narrowband-IoT“) Daten über Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Gewicht sendet – direkt aus den Bienenstöcken auf das Smartphone. Wie gesund ein Bienenvolk ist, lässt sich mit dieser technischen Neuerung künftig zweifelsfrei feststellen. Zuvor mussten Imker regelmäßig die Waben prüfen, und das bedeutete neben Mehraufwand auch zusätzlichen Stress für die Bienen.

Der Sensor erleichtert die Arbeit der Imker enorm und fördert darüber hinaus ganz gezielt die Arterhaltung der Bienen. Ohne die Bienen verschwände schließlich nicht bloß der Honig von der Speisekarte; vielmehr gäbe es bedeutend weniger Nutz- und Wildpflanzen. Die Folge: Obst und Gemüse wären bald Luxusartikel. Vor allem aufgrund ihrer Bestäubungsleistung sind Bienen damit also auch für den Menschen von existenzieller Bedeutung. Laut dem Deutschen Imkerbund zählen sie neben Rindern und Schweinen sogar zu den wichtigsten Nutztieren. Doch die Zahl der Bienenvölker ist in Deutschland in den vergangenen 65 Jahren um über 60 Prozent auf nur noch 750.000 gesunken.

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Die EU hat nun ein Projekt namens „Hiveopolis“ gestartet, um ein Frühwarnsystem für Bienen einzurichten. Neben digitalen Landkarten, die Rückschlüsse auf Pestizide geben sollen, wird durch Roboter mit Bienen kommuniziert, um sie zu den pestizidlosen Gebieten zu leiten und vor Wetterschwankungen zu warnen. Das wird möglich gemacht, indem Roboter den Bienentanz imitieren und auf diese Weise Informationen an den Bienenstamm weitergeben. Bis April 2024 soll das Projekt abgeschlossen sein, das mit einem derzeitigen Gesamtbudget von 7 Millionen Euro gefördert wird.

Landflucht auch unter Bienen

Wer die Schuld an der Bienenmisere bei den Städteplanern und Häuserbauern vermutet, die deren Lebensraum zerstören, der liegt falsch. Bereits 2017 veröffentlichte die FU Berlin im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Bienenstudie – mit überraschenden Ergebnissen: Nicht nur unter den Menschen, sondern auch unter den Bienen herrscht Landflucht. Im ländlichen Raum ist das Nahrungsangebot für die Tiere durch Monokulturen und durch den Einsatz von Pestiziden inzwischen stark limitiert.

Ganz anders sieht es in den Städten aus. Dort findet sich dank eifriger Hobbygärtner und emsiger Balkonbepflanzer eine deutlich größere Anzahl an Nahrungsquellen als auf dem Land. Und nicht nur das: Auf immer mehr Privat- und Gewerbedächern werden neue Arbeitsplätze für Imker geschaffen. Nach Angaben von Otmar Trenk, dem Vorsitzenden des Vereins BEEsharing e. V., leben in Hamburg ungefähr 4.500 Bienenvölker, die sich unter anderem auf Kleingärten, Balkone und Dächer verteilen. Um deren Versorgung kümmern sich rund 950 Imker. Probleme bereitet jedoch der städtische Standortmangel. Daher hat BEEsharing e. V. es sich zur Aufgabe gemacht, Anbieter von Nutzflächen und Imker zusammenzubringen.

Was die Suche nach geeigneten Standorten für Bienen und Imker betrifft, hat die Deutsche Bahn AG bereits Initiative gezeigt: Bis 2018 wurden für über 50 Millionen Bienen wichtige Lebensräume geschaffen, indem stillgelegtes DB-Gelände an private Imker vermittelt wurde. Die Flächen waren schon nach kurzer Zeit vergeben, was die Notwendigkeit dieses Angebots noch mal unterstreicht. Insgesamt rund 1.500 Anfragen haben die DB erreicht, wodurch bundesweit mittlerweile 800 Areale erfolgreich genutzt werden. „Artenschutz bei der DB“ ist das zehnte von über 140 Umweltprojekten der Deutschen Bahn, die unter dem Dach „Das ist grün.“ zusammengefasst werden.

Die Stadtimkerei ist auf dem Vormarsch.
Otmar Trenk von BEEsharing e. V.

Trenk sieht in der technischen Entwicklung ein großes Potenzial für die Arterhaltung der Biene und erklärt: „Die Digitalisierungschancen in der Bienenwirtschaft zu nutzen ist ein zentraler Ansatz des Vereins.“ Über soziale Netzwerke, die eigene Website, Events und dadurch, dass gewerblichen Paten Kommunikationsmaterial sowie White-Label-Honig bereitgestellt wird, schärft BEEsharing e. V. das Bewusstsein für die Bienen in der Bevölkerung. Mit Erfolg: „Die Stadtimkerei ist auf dem Vormarsch“, berichtet Trenk freudig. Das Nachwuchsproblem der Imker werde dadurch ein Stück weit gelöst.

Auch dass inzwischen beispielsweise mit der BienenBox ein Angebot an Imkereibedarf für den Hausgebrauch existiert, bewertet Trenk sehr positiv: „Es ermöglicht einen Einstieg in das Thema und führt auch junge Menschen an die Thematik heran.“ Dennoch sei die Imkerei nicht zu unterschätzen. Es brauche mindestens ein Jahr Zeit und viel Praxis, um sich das Handwerkszeug für den Umgang mit Bienen anzueignen. „Die Imkerei ist kein Hobby, das man nebenbei macht“, stellt Trenk klar. „Es sind Tiere, und um die muss man sich auch anständig kümmern.“

Die Imkerei ist kein Hobby, das man nebenbei macht.
Otmar Trenk von BEEsharing e. V.

Und so können Sie selbst den Bienen helfen:

  • Informieren Sie sich beim Imkerverein in Ihrer Nähe. Die Kontaktdaten der Bienenzüchter-Landesverbände finden Sie hier.
  • Helfen Sie den Bienen, indem Sie im Garten oder auf dem Balkon viele verschiedene Blumen, Nutzpflanzen und Kräuter pflanzen.
  • Benutzen Sie auf keinen Fall Pflanzenschutzmittel!
  • Werden Sie selbst aktiv: Mit der BienenBox können Sie Ihre eigenen Bienen halten. Sprechen Sie aber vorab mit Ihrem Vermieter.
  • Eignen Sie sich jedoch zuvor unbedingt unter Anleitung von Profis das nötige Handwerkszeug an. Die BienenBox ist ein Projekt des gemeinnützigen Vereins Stadtbienen e. V., der in 15 deutschen Städten sowie in Wien und Zürich Kurse dafür anbietet. Auch an vielen Volkshochschulen stehen Imkerkurse auf dem Programm.
  • Fragen Sie bei Bienenzüchtern vor Ort, ob Sie diese bei ihrer Tätigkeit begleiten dürfen, um nicht nur theoretische, sondern auch praktische Erfahrungen zu sammeln.

Was sich durch die mittlerweile vielfältigen Möglichkeiten, sich als Imker zu betätigen, jedoch nicht aufhalten lässt, ist das Bienensterben an sich. Nach einem Dämpfer in den vergangenen Jahren stagniere die Zahl der Bienenvölker derzeit, berichtet Otmar Trenk. Zwar finden Bienen in der Stadt mehr Nahrung, sind nicht mehr der Gefahr durch Pestizide ausgesetzt und insgesamt produktiver. Allerdings besteht für die Insekten im urbanen Raum durch die höhere Besiedlungsdichte und die Wechselwirkung der Völker untereinander ein größeres Krankheitsrisiko. Ebenso bleibt die Bestäubung von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen weiterhin ein Thema, das dringend nach einer Lösung verlangt.

Das Team von BEEsharing e. V. hat sich angesichts dieser komplexen Fragestellungen mit seinem Onlinenetzwerk ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Nicht nur das Platzproblem der Imker soll durch die Suche nach Standorten für ihre Bienen gelöst werden; zudem will der Verein dabei helfen, dass sich die Imker untereinander besser vernetzen können. Obendrein vermittelt die Organisation Bienen für die Bestäubung an Landwirte und sichert so deren Ernte. Was sich dabei deutlich zeigt: Das Überleben der Biene hängt vor allem an einem digitalen Faden.

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