Frau mit Maske sitzt am Laptop im Zug
© Deutsche Bahn

Nachgefragt
„Der ICE ist mein zweites Büro“

09/2020

Für die Familienunternehmerin und TV-Investorin Dagmar Wöhrl ist die Bahn das Hauptreisemittel und ihr „rollendes Office“

Juristin, Politikerin, Unternehmerin, Tierschützerin und sogar ehemalige Miss Germany: Dagmar Wöhrl zählt zu den spannendsten und umtriebigsten Persönlichkeiten unseres Landes. Aktuell ist die Fränkin als Investorin in der VOX-Show „Die Höhle der Löwen“ zu sehen und hilft als Beraterin Startups auf die Sprünge. Stillstand scheint sie nicht zu kennen, sie ist viel unterwegs und das am liebsten mit der Bahn. Im Interview spricht sie über ihr „rollendes Büro“, Beinfreiheit, Bekanntschaften und warum in Nürnberg immer eine Brezen an Bord sein muss.

Wie oft reisen Sie mit der Bahn zu Geschäftsterminen?

Für mich ist die Deutsche Bahn mittlerweile das Hauptreisemittel geworden: Egal ob ich nach München, Köln oder Hamburg muss, nutze ich den ICE, um komfortabel und stressfrei zum Ziel zu kommen. Nach Berlin fahre ich mittlerweile seit mehr als fünf Jahren ausschließlich mit dem Zug und das fast wöchentlich.

Was gehört für Sie zum Bahnfahren dazu?

Ist der Ausgangspunkt meiner Reise Nürnberg, dann darf bei mir eine Kolb-Brezen nicht fehlen. Sobald der Zug anrollt, genieße ich den ersten Bissen und schaue, wie die Landschaft an mir vorbeirauscht. So gestärkt kann ich mich dann entspannt an die Arbeit machen.

Nutzen Sie die Fahrt auch zum Arbeiten?

Der ICE ist mittlerweile mein zweites Büro geworden. Ich liebe es, auf meinem Platz zu sitzen und mich auf Meetings vorzubereiten oder Verträge durchzugehen. Dank der großen Klapptische ist das auch kein Problem. Außerdem nutze ich die Zeit, um mich wirtschaftlich und politisch auf den aktuellen Stand zu bringen und lese gesammelte Pressemappen. Für mich ist Bahnfahren gerade arbeitstechnisch eine effektive Reisemöglichkeit. Wenn der Telefonempfang etwas stabiler wäre, dann würde ich auch Telefonkonferenzen abhalten.

Der Blick auf die vorbeiziehende Landschaft hat ja auch etwas Meditatives. Wie ist das bei Ihnen, sind Sie dabei schon mal auf eine gute Idee gekommen?

Ehrlich gesagt, schaue ich selten aus dem Fenster. Es sei denn, ich esse meine Brezel (lacht). Für mich ist Reisezeit Arbeitszeit und ich nutze das meist bis kurz vor dem Aussteigen aus. Das Zusammenpacken wird dann manchmal etwas hektisch, aber bisher habe ich noch keinen Ausstieg verpasst. Fahre ich eine Strecke zum ersten Mal, wandert mein Blick auch schon mal unbewusst nach draußen und ich vergleiche die Landschaft dann mit meiner Heimat. Dann fällt mir aber wieder ein, was ich noch alles erledigen will und ich konzentriere mich wieder auf meine Arbeit.

Es ist einfach schön, durch Bayern zu fahren und Dank des ICE ist man blitzschnell in der Landeshauptstadt.
Dagmar Wöhrl, Juristin, Politikerin, Unternehmerin

Gibt es neben dem „rollenden Büro“ noch weitere Gründe, warum Sie auf die Schiene setzen?

Nachhaltigkeit und Umweltschutz spielen auch für mich eine wichtige Rolle, sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Bereich. Manchmal bin ich fast täglich deutschlandweit unterwegs, da freut es mich, dass ich mit der Deutschen Bahn ein umweltfreundlicheres Verkehrsmittel wählen kann. Und dann mag ich natürlich den Komfort: In den modernen ICE-Zügen der Deutschen Bahn fühle ich mich ausgesprochen wohl und genieße die enorme Beinfreiheit. Ein großer Vorteil ist zudem, dass man auch einmal aufstehen und sich die Beine vertreten kann, ohne anhalten zu müssen. Das ist ein großes Plus zu anderen Reiseverkehrsmitteln.

Aufgrund der Corona-Pandemie sorgen sich einige Reisende vor einer Ansteckung im Zug. Was gibt Ihnen persönlich ein gutes Gefühl, weiter die Bahn zu nutzen?

Da vertraue ich einfach auf meine Mitreisenden, dass sie im Falle von Erkrankungs-Anzeichen verantwortungsbewusst genug sind und nicht in einen Zug einsteigen. Außerdem stelle ich fest, dass die meisten Menschen sich mittlerweile an das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung gewöhnt haben und diese automatisch aufsetzen, sobald sich größere Gruppen nähern. Genauso halte ich es auch.

Fällt es Ihnen trotzdem schwer, Distanz zu halten?

Nein. Allerdings verspüre ich manchmal, wenn ich gute Bekannte oder Geschäftspartner nach langer Zeit wiedersehe, schon den Impuls, die Hand auszustrecken oder diejenigen zu umarmen. Aber ich gehe davon aus, dass es auch in Zukunft normal sein wird, sich bei Begrüßungen nicht mehr die Hand zu geben, was ich persönlich als angenehm empfinde. Größere Gruppen kann man wirklich nur umgehen, wenn man sich antizyklisch zum normalen Arbeitsalltag bewegt. Das ist aber für mich aus Termingründen oft nicht möglich. Von daher appelliere ich an jeden: Maske auf und Abstand halten!

Während des Lockdowns haben wir gelernt, dass wir dank der digitalen Technik auch vom heimischen Küchentisch aus konferieren können. Wie ist Ihre Meinung als Unternehmerin: Bleiben persönliche Treffen auch in Zukunft wichtig?

Die momentane Krise zeigt uns, dass Zukunftsgestaltung mit Digitalisierung einhergeht. Gerade Unternehmen, die sich dem digitalen Fortschritt verweigern, werden über kurz oder lang nicht überleben. Besonders auf Arbeitsebene wird es auch künftig Videochats geben und so mancher Job kann aus dem Homeoffice gemacht werden. Aber ich denke, dass der persönliche Kontakt – gerade bei bevorstehenden Vertragsabschlüssen – eine immens hohe Bedeutung hat und auch künftig stattfinden muss. Denn ob es zu einer langfristigen Zusammenarbeit mit jemandem kommt, hängt auch von der zwischenmenschlichen Chemie ab. Und diese ist digital nicht vermittelbar.

Sie waren lange als Politikerin tätig. Was glauben Sie, ist es nicht gerade für Politiker wichtig, öfter mal Bahn zu fahren, um näher am Alltag der Menschen zu sein?

Es ist ein Irrtum, wenn die Menschen denken, wir Politiker würden den Kontakt zur Basis, zum Menschen, verlieren. Abgesehen von Regierungsmitgliedern, kenne ich wenige Politiker, die auf einen Chauffeur zurückgreifen. Die meisten sind mit dem eigenen Auto im Wahlkreis unterwegs. Ich persönlich fahre zum Beispiel seit Jahren immer mit meinem kleinen kompakten Stadtflitzer. Aus Zeitgründen ist das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft nicht möglich, da die Termindichte zu hoch ist. Aber ich weiß, dass mittlerweile viele meiner ehemaligen Kollegen nach Berlin mit der Bahn fahren und so mancher sogar schon eine kleine Bürgersprechstunde im Zug abgehalten hat. Die Bahn verbindet eben.

Frau mit Maske hält ein Handy in der Hand und sitzt im Zug
© Deutsche Bahn

Werden Sie in der Bahn eigentlich oft erkannt und angesprochen?  

Als Politikerin bin ich es gewohnt, dass ich zumindest in meiner Heimatstadt erkannt und angesprochen werde. Leider oftmals jedoch in der Rolle des Seelsorgers. Seit ich als Investorin bei „Die Höhle der Löwen“ agiere, habe ich viele positive Reaktionen erlebt und werde oft nach einem gemeinsamen Selfie gefragt. Das freut mich und ich erfülle diese Wünsche gerne. Vor allem junge Menschen sprechen mich an und erzählen mir, wie begeistert sie von dem Sendeformat sind und dass sie selbst ein Start-up gründen wollen. Manchmal gebe ich dann schon Tipps, worauf zu achten ist. Nur wenn sie anfangen, ihre Produkte zu pitchen, verweise ich auf das Pitch-Deck meiner Consulting Homepage.

Haben Sie auch mal spannende Bekanntschaften gemacht?

Natürlich kommt man mit dem ein oder anderen Reisenden ins Gespräch. Oftmals vor allem über das Reisen. Ich genieße den Austausch mit Mitreisenden und so mancher konnte schon spannende und auch lustige Geschichten erzählen. Das macht für mich das Reisen im Zug aus.

Auf welcher Strecke sind Sie am häufigsten unterwegs?

In den letzten Jahren bin ich am meisten von Nürnberg nach Berlin gefahren. Als Politikerin war ich fast jede zweite Woche in Berlin – jetzt fast wöchentlich. Berlin ist einfach „The Place to be“ – sowohl politisch, als auch aus Start-up-Blickwinkel betrachtet. Durch „Die Höhle der Löwen“ landet Nürnberg-Köln auf Platz 2 – in Köln drehen wir unsere Folgen.

Haben Sie eine Lieblingsstrecke?

Ich mag die Strecke Nürnberg – München sehr. Es ist einfach schön, durch Bayern zu fahren und Dank des ICE ist man blitzschnell in der Landeshauptstadt.

Welcher Anblick lässt Sie sagen: „Ich bin wieder zu Hause!“? Wenn Sie mit der Bahn in Berlin einfahren oder in Nürnberg?

Mich da zu entscheiden, ist fast unmöglich. Ich habe das Privileg, mich in beiden Städten zu Hause zu fühlen. In Berlin fühle ich mich wohl, weil die Stadt einfach kulturell so wahnsinnig viel zu bieten hat. Auch die fast 18 Jahre, die ich als Politikerin in Berlin verbracht habe, haben mich dort Wurzeln schlagen lassen. Dennoch bleibt Nürnberg meine Heimat und ich denke sofort fränkisch, wenn ich in den Hauptbahnhof einfahre. Hier lebt meine 95-jährige Mutter, hier ist unsere Familie zu Hause. Das kann Berlin nicht bieten.

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