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DB Fernverkehr
Für einen Monat auf der Schiene

Geschäftsreisen mal ganz anders: Drei Vielfahrer haben ihren Dienstwagen stehen lassen, um alle Ziele ausschließlich mit der Deutschen Bahn, „Flinkster“ und „Call a Bike“ zu erreichen.

Dienstagmorgen, kurz vor acht am Hauptbahnhof Frankfurt, es ist sonnig. Lars D. biegt gerade auf einem silber-roten Leihfahrrad um die Ecke – eine Premiere, wie er betont: „Ich habe gerade zum ersten Mal auf einem Call-Bike gesessen“, erzählt der Chief Information Officer (CIO) bei Derag Livinghotels. „Besonders im Stadtverkehr ist es optimal, wenn man an den ganzen Autokolonnen vorbeifahren kann und so viel schneller an sein Ziel kommt.“

Für die Weiterfahrt nimmt er gleich den ICE nach München. Wenn das Wetter mitspielt, und weil sein Termin dort ebenfalls im Innenstadtbereich liegt, steigt er nach der Ankunft wahrscheinlich wieder auf eines der Leihfahrräder um, die in über 50 Städten zu finden sind. Ähnliche Strecken hat der IT-Fachmann zuvor vor allem mit dem Auto zurückgelegt, gelegentlich auch mit dem Flugzeug, aber dabei zunehmend einen „relativ hohen Stressfaktor“ empfunden.

Als er dann im Frühjahr vom gemeinsamen Praxistest des Geschäftsreisemagazins „Business Traveller“ und der Deutschen Bahn hörte, kam ihm dies gerade recht: Gesucht wurden drei Vielreisende, die ihren Dienstwagen für vier Wochen gegen eine BahnCard 100 (1. Klasse) inklusive Budget für „Flinkster“ und „Call a Bike“ tauschen sollten. „Da habe ich gedacht, ich nutze ein solches Projekt, um eine Alternative auszuprobieren.“

Auf einem Rad von „Call a Bike" zum Bahnhof: der Geschäftsreisende Lars D.
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Vergleich: Auto oder Bahn – oder beides?

Am Start für den Praxistest sind außerdem Lando A., Koordinator im Gesundheitswesen, sowie Janine T., Junior Sales Managerin bei einem großen Konsumgüterhersteller. Sie hält das Projekt für „eine spannende Aktion”, freut sich auf die staufreie Anreise zu Terminen in ganz Deutschland und möchte herausfinden, wie „kompatibel“ das Ganze ist – und ob sie auch kleine Dörfer problemlos erreichen kann. Ähnliche Gründe für den Selbstversuch nennt Dienstwagen-Vielfahrer Lando A.: die Möglichkeiten vergleichen, Nutzen und Nachteile abwägen, Bilanz ziehen.

Im Vergleich zwischen Auto und Bahn liegt die Schiene in puncto Komfort klar vorne – und das nicht nur beim Musikhören oder Lesen, sondern auch beim Arbeiten. „Dadurch, dass ich im Zug arbeiten kann, verliere ich weniger Zeit, als wenn ich im Flugzeug einchecken oder mit dem Auto fahren würde“, sagt Lars D. Dass das Reisen im ICE „sehr angenehm“ ist, bestätigen alle Teilnehmer, auch wenn sich ein Zug mal verspätet.

Bei der Weiterfahrt mit Flinkster, dem Carsharing-Angebot der Bahntochter Deutsche Bahn Connect gab es zu Beginn des Praxistests einige Herausforderungen zu bewältigen. „Bis ich das Auto wieder abgegeben und verschlossen hatte, ist manchmal ein bisschen Zeit verstrichen“, erzählt Janine T. Von einem „holprigen“ Start berichtet auch Lars D., „weil ich es nicht gewohnt war, auf diese Weise an ein Auto zu kommen“. Später fährt er aber auch längere Strecken mit den Leihwagen, die an fast jedem großen ICE-Bahnhof zur Weiterreise oft noch spontan hinzugebucht werden können. „Anfang der Woche war ich auf einer Veranstaltung in Österreich. Das hat mit dem Flinkster-Auto wunderbar funktioniert.“

Vielfahrer Lando A. nutzt mit der BahnCard 100 die 1. Klasse.
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Neue Erfahrung: Reisen mit Mobilitätsketten

Mobilitätskette bedeutet, einen Weg mit mehreren Verkehrsmitteln zurückzulegen, um umweltfreundlich, schnell und komfortabel ans Ziel zu kommen. Weil Janine T. oft mit viel Gepäck unterwegs ist, steigt sie für die Weiterfahrt gern auf Flinkster um: „So brauche ich nicht immer ein Taxi, sondern kann ganz gezielt meine Strecken planen, zu meinem Zielort kommen und den Wagen danach einfach am Bahnhof abstellen.“ Einen weiteren Vorteil bringt Lars D. auf den Punkt: die Bequemlichkeit. „Man muss sich nicht mehr viele Gedanken machen. Ich kann das Auto dort abstellen, wo ich es mir geliehen habe.“

Bei schönem Wetter und mit wenig Gepäck sind Geschäftsreisende aber auch gern auf einem der Räder von Call a Bike unterwegs. „Das ist in einer Stadt wie Köln sehr praktisch. Man ist teilweise schneller als mit dem Bus oder Auto“, sagt Janine T. Auch Lando A. hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Zu Beginn ist der Organisationsaufwand für das vernetzte Reisen im Vergleich zum Firmenwagen allerdings etwas höher. „Ich muss immer genau schauen: Wann bin ich wo? Wie gelange ich dort am besten hin?“, meint Janine T. Dass es ohne Reiseplanung vor allem außerhalb der Ballungszentren manchmal schwierig werden kann, hat auch Lars D. festgestellt. Kürzlich in Saarbrücken wollte er am Bahnhof spontan auf Flinkster umsteigen – und musste feststellen, dass zu diesem Zeitpunkt keine Flinkster-Autos zur Verfügung standen. „Das schränkt dann natürlich ein.“ Die Planungen vorab in den Alltag zu integrieren koste ihn zwar mehr Zeit, aber sei „ein Umstand, an den man sich gewöhnen kann“, so der Geschäftsführer.

Weiterfahrt mit „Flinkster": Geschäftsreisende Janine T.

Geschäftsreisen mit der Bahn: die Bilanz

München Hauptbahnhof. Gegen 20 Uhr steigt Lars D. aus dem ICE aus, gut drei Stunden hat die Fahrt von Frankfurt nach München gedauert. Doch anstatt zum Beispiel etwas zu lesen, erreichten ihn heute während der Fahrt gleich etliche Anrufe. Ein typischer Arbeitstag eben. „Im Auto habe ich auch immer relativ viel telefoniert. Häufig haben sich dabei aber mehr Aufgaben ergeben, die ich dann nicht schriftlich festhalten konnte, weil ich ja fahren musste“, erzählt er. Im Zug seinem Beruf nachzugehen ist für ihn dagegen eher ein „ganzheitliches Arbeiten“, vergleichbar mit einem Tag im Büro, weil er alle Informationen notieren und gegebenenfalls direkt eine E-Mail schreiben kann: „Eben einen Vorgang abschließen. Nach einer Autofahrt habe ich in der Regel mehr zu tun als davor.“

Auch der Geschäftsreisende Lando A. hat die Zeit im Zug während des vierwöchigen Praxistests für die Vor- und Nachbereitung von Terminen genutzt. Ob der Test sein Reiseverhalten verändert hat? Auf jeden Fall! Vor allem für längere Strecken, beispielsweise von Hannover nach München, wird er künftig auf die Schiene umsteigen. „Dabei ist die Fahrt mit der Bahn rentabler, da ich die Zeit nutzen kann“, erklärt er. Für kürzere Entfernungen, zum Beispiel von Hannover nach Hamburg, will er aber weiterhin in den Dienstwagen steigen. „Da ist die Reise mit dem Auto für mich einfacher und schneller“, sagt er.

Ähnlich fällt das Fazit von Janine T. aus, die oft mit viel Gepäck reist, wodurch sich der Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln schwierig gestalten kann. „Ich denke nicht, dass die Bahn auf allen Strecken eine gute Alternative ist, aber in der Vielzahl ist sie es auf jeden Fall.“

Für Lars D. liegen die Nachteile des „vernetzten Reisens“ vor allem im höheren Planungsaufwand, der Zeit kostet. „Das heißt, ich muss mir mehr Gedanken machen: Wann fahre ich los, damit ich pünktlich am Bestimmungsort ankomme?“ Dennoch ist er davon überzeugt, das Angebot der Deutschen Bahn künftig häufiger in Anspruch zu nehmen – und hat sich deshalb auch gerade eine eigene BahnCard 100 zugelegt. „Die Bequemlichkeit, der Komfort und das relativ zuverlässige Ankommen – das ist im Gegensatz zum Auto in der heutigen Straßenverkehrssituation schon ein unfassbarer Vorteil“, bilanziert Lars D. „Ich komme entspannter und planbarer an!“

Den Film zum Projekt sehen Sie unten oder auch hier.