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Nach der Arbeit: Abenteuer!
Kleine Fluchten

Sabbatical? Ein Jahr Weltreise? Wer einmal aus dem Alltag ausbrechen will, kann auch eine Nummer kleiner ansetzen: Mit einem Mikroabenteuer. Ideen für das perfekte Mikroabenteuer

Das sichere Leben in Deutschland, mit Job und Familie, weckt in immer mehr Menschen die Lust auf Abenteuer. Also machen sie ein Jahr Pause vom Job, gehen vom Manager-Sessel auf die Alm oder verlassen den OP-Saal an einem renommierten Krankenhaus, um in ärmeren Ländern zu helfen. Manche werden zu Weltreisenden, durchkreuzen die Kontinente im ausgebauten VW-Bus. In der globalisierten Welt, in der wir an einem Tag fast jeden erdenklichen Ort erreichen können, ist die Ferne nicht mehr automatisch auch das Fremde. Und manchmal, da liegt das Aufregende näher als man denkt.

Wer draußen ist, spürt die Verbundenheit mit der Natur

Wer wissen will, wie das geht mit dem Abenteuer im Stadtgebiet, der landet schnell bei Jana und Patrick Heck. Auf ihrem Blog ausgebüxt.info geben sie Tipps und Tricks für Stadtfluchten. Wer will, kann das Projekt mit einem Monatsbeitrag unterstützen und bekommt so wöchentlich eine Mail mit Tipps für das Ausbüxen.
Warum treibt es die beiden aus Trier immer wieder an, was reizt sie am Schlafen unter freiem Himmel, am Draußensein, am Schwimmen im Fluss statt im Freibad? „Wer draußen ist, spürt die Verbundenheit mit der Natur, die wir Menschen eben in uns haben“, sagt Patrick Heck. Körper und Geist können auftanken, so nennt es Heck.

Die Hecks sind begeistere Wanderer. An einem Sommerabend zu Hause in Trier, da sitzen sie in der Wohnung und kommen plötzlich darauf: Warum machen wir das nicht auch hier? Also packen sie Isomatte, Schlafsack, Zahnbürste und Kaffeekocher ein und gehen ein paar Minuten bis zum Stadtwald. Ein Mikroabenteuer, von Zuhause, es begeistert die beiden. Und bald haben sie einen Namen für die kleine Flucht aus dem Alltag: Ausbüxen. „Ausbüxen heißt kraxeln, schnitzen und entdecken, Pflanzen sammeln und am Lagerfeuer kochen. Und Ausbüxen heißt auch Geräuschen lauschen, in den Sternenhimmel schauen“, so definieren es die Hecks für sich.

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Mikroabenteuer sind für jeden was – für Manager genauso wie für Kinder

Ausbüxen ist etwas für jeden, glauben die Hecks. Für Kinder genauso wie für Menschen, die jeden Tag viel Verantwortung tragen und auch mal wieder loslassen wollen – und sei es nur für ein paar Stunden. Und das kann jeder, die Hecks haben selbst mit dem kleinen Sohn, noch kein Jahr alt, schon ein paar Mal draußen übernachtet und bemerkt, wie entspannt der Kleine dabei war.

Für ein Mikroabenteuer braucht es nur wenig. Statt im Wald zu schlafen kann man auch eine kleine Hängematte mitnehmen und diese etwa am Rande des Hamburger Hafens aufhängen. Und es braucht auch nicht immer gleich die Draußenübernachtung sein. Warum nicht auch einmal die Badehose mit in die Aktentasche packen: Nach der Arbeit an den Fluss und eine Runde schwimmen gehen. Wer lieber spaziert, fährt einfach mal mit der S-Bahn an die Stadtgrenze und geht zu Fuß zurück nach Hause laufen, lernt die gewohnte Umgebung ganz neu kennen. Oder man klettert auf einen Baum. Oder legt einfach die Matratze auf dem Balkon und schaut, wann einen die Stadtvögel morgens wecken.

All diese kleinen Abenteuer können wilder, abenteuerlicher und weiter weg von Zuhause wirken als die Fernreise. Und der nächste Tag im Büro wird ein ebenso besonderer sein. Selbst ein kleines Abenteuer verändert einen Menschen, da ist sich Jana Heck sicher. „Du gehst am nächsten Tag anders in Büro“, sagt sie. Und die Ansteckungsgefahr ist groß, glauben die Hecks. Sie sehen das auch bei den vielen Rückmeldungen auf ihrem Blog und zu den Videos, die sie ins Netz stellen. Das Beste am Mikroabenteuer: Man kann es eigentlich immer und überall erleben. Man muss es nur starten.

Kleine Tipps für Stadtfluchten

Wer ein Mikroabenteuer erleben will, der muss keinen Schlafsack dabei haben und direkt vom Büro oder der Geschäftsreise in den Wald gehen, um dort zu übernachten. Es geht auch einfacher, und trotzdem spannend. Vier Tipps:

Hannover: Wer mit dem Zug durch Deutschland reist, der kommt oft auch durch Hannover. Die Stadt hat das Image der grauen Maus, und tatsächlich ist die Innenstadt nicht gerade ein Weltkulturerbe-Ensemble. Doch nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof liegt der große Stadtwald Eilenriede. Rein in den Wald, Schuhe aus und auf den vielen weichen Waldwegen Kraft tanken für das nächste Ziel.

Hamburg: Hamburg ist die Hansestadt, die Stadt mit dem Tor zur Welt, den Landungsbrücken und der Elbphilharmonie. Aber Hafen, das ist mehr als nur Kulisse, das ist harte Arbeit, das riecht und scheppert manchmal. Das erlebt man auf einer Tour zu Fuß durch den Hafen. Wie das geht? Tja, eine feste Route gibt es nicht. Hingehen, weitergehen, an Grenzen stoßen, schauen, genießen. Am Ende wird man vielleicht ein verrücktes Zick-Zack-Muster auf der Karte hinterlassen haben – und hat den ganzen Kopf voll stählerner Erinnerungen am Wasser.

München: München? Kennt man. Wer mal mehr sehen will, fährt mit einer Münchner U-Bahn bis zur Endstation und versucht sich dann am Spaziergang zurück in die Stadt. Ohne Navi, ohne Apps – einfach nur mit Handy-Kompass oder durch Befragung von Anwohnern. So kommt man mit den Einheimischen ins Gespräch, gewinnt ein Bild von der selbsternannten Weltstadt mit Herz, das sicher kaum ein Tourist bekommt.

Frankfurt: Die Stadt steht für das kalte Glas der Wolkenkratzer und die warme Heimeligkeit der Apfel-Weinstuben.
Dass sie auch für Natur inmitten der Stadt steht, wissen die wenigsten: Der Rundwanderweg „GrünGürtel“ führt auf 68 Kilometern um die Kernstadt und will entdeckt werden.

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