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Karriere
So werden Sie zum Chef

02/2020

Wie muss eine Karriere verlaufen, damit es am Ende zum Top-Manager reicht? Eine Analyse der Lebensläufe internationaler CEOs erlaubt spannende Einsichten.

Er ist männlich, über 50 und hat sich im eigenen Unternehmen hochgearbeitet: Die Personalberatung Heidrick & Struggles hat über 900 Lebensläufe von CEOs in 16 Ländern ausgewertet und dabei klare Muster für eine typische Chef-Karriere identifiziert. WAGEN EINS stellt fünf zentrale Aspekte der Analyse vor, anhand derer Sie einordnen können, wie realistisch Ihre Ambitionen auf die oberste Führungsetage sind.

Geschlecht: Sind Sie eine Frau?

Weltweit sitzt nur auf jedem zwanzigsten Chefsessel eine Frau. Und die Quote steigt nur langsam, von vier Prozent im vergangenen auf fünf Prozent in diesem Jahr. Von den 16 untersuchten Ländern hatte China mit einem Prozent den geringsten Frauenanteil, Norwegen mit 16 Prozent den höchsten. In skandinavischen Ländern würden berufstätige Frauen von staatlicher Seite stärker unterstützt, Teilzeitmodelle seien dort Gang und Gäbe, lautet eine Erklärung der Studienautoren. Ein pikantes Detail am Rande: die Spezies „weiblicher CEO“ hat eine höhere Ausbildung als ihre männlichen Kollegen. Es nährt die Vermutung, dass Frauen sich noch immer mehr bemühen müssen als Männer, um es an die Spitze zu schaffen.

Wechsel: Sie liebäugeln mit dem Chefposten bei einem anderen Unternehmen?

Dann werden Sie diese Zahlen ein wenig entmutigen: Von allen neu berufenen CEOs, die ihren Posten weniger als ein Jahr bekleiden, wurden 73 Prozent aus dem eigenen Haus berufen. Unternehmenstreue zu belohnen und Eigengewächse auszuwählen, berge weniger Risiko, versucht man sich bei Heidrick & Struggles an einer Erklärung. Aber es gibt auch gute Nachrichten: immerhin mehr als ein Viertel der Unternehmen (26 Prozent) hat den Vorstandsvorsitzenden von außen geholt.

Erfahrung: Welcher Posten dient als Sprungbrett zum CEO?

Hierzulande ist das ohne Zweifel der Finanzvorstand. Der kaufmännische Background wird in Zeiten einer instabilen Wirtschaftslage wieder relevanter, insbesondere in Deutschland. Hier hatten 29 Prozent der Vorstandsvorsitzenden vorher eine Anstellung als Chief Financial Officer (CFO) inne, der höchste Wert im Vergleich der 16 untersuchten Staaten. Ähnlich hoch ist der Wert mit 28 Prozent in Norwegen und Schweden. In Ländern wie den USA, Frankreich und Niederlande hingegen tendiert man dazu, den eher mit den täglichen Geschäftsabläufen betrauten Chief Operations Officer (COO) auf den obersten Posten zu hieven. Sie haben selbst Erfahrung als Unternehmer? Das überzeugt kaum, nur fünf Prozent aller CEOs weltweit besitzen unternehmerischen Hintergrund.

Ausbildung: Welcher Abschluss muss es sein?

CEOs ohne absolviertes Masterstudium oder Doktorat werden seltener: 64 Prozent aller innerhalb des vergangenen Jahres berufenen konnten einen derartigen Abschluss vorweisen. Unter den erfahreneren Vorstandsvorsitzenden lag dieser Wert bei 46 Prozent. Auch die gewählte Studienrichtung ist entscheidend: Der Anteil an Top-Managern mit ingenieurwissenschaftlichem Hintergrund geht zurück. Am Drücker sitzen inzwischen jene mit einer Ausbildung im Bereich Finanz und Management.

Alter: Sie sind noch unter 50? Oder gar unter 40?

Dann heißt es womöglich noch ein paar Jahre abwarten, bis Sie jemand für die Stelle als Vorstandsvorsitzenden wirklich in Betracht zieht. Unter allen neu berufenen CEOs lag das Durchschnittsalter bei 52. Wer den Posten seit mehr als fünfzehn Jahren bekleidet, war bei seiner Berufung gerade mal 39. Nur ein Fünftel aller CEOs war bei seiner Berufung jünger als 45 Jahre. Die Tendenz, auf ältere Anwärter zurückzugreifen, komme daher, dass viele Unternehmen schwierige Zeiten erwarteten, da sei „Seniorität und nachgewiesene Resilienz“ Trumpf, so der Deutschlandchef von Heidrick & Struggles im Gespräch mit dem Spiegel. Grund zur Hoffnung für alle unter 40 gibt dieses Detail: Der jüngste in der Studie berücksichtigte CEO war 30 Jahre alt und stammte aus Deutschland.

Internationalität: Haben Sie Auslandserfahrung gesammelt?

Erfahrung über Landesgrenzen hinaus wird wichtiger: 40 Prozent aller Top-Manager weltweit weisen internationale Erfahrung vor, der Wert ist im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. Ob Sie es als Ausländer in einem Betrieb an die Spitze schaffen, hängt vom Land ab: In Dänemark, Schweiz und Niederlande sind 71 bzw. jeweils 68 Prozent der CEOs keine Landsmänner oder -frauen. Am unteren Ende der Skala stehen die USA mit 18 Prozent und China mit 0 (in Worten: null) Prozent Ausländeranteil in der obersten Chefetage.

Hard Facts vs. Soft Skills

Sie entsprechen dem Durchschnitt nur in wenigen Punkten und haben dennoch Ambitionen nach ganz oben? Kopf hoch. Es gibt immer auch die Ausnahme von der Regel. Hoffnung spendet da der zweite Teil der Erhebung, in dem vier führende CEOs über die wichtigsten Fähigkeiten zukünftiger CEOs sprechen: Erfahrung mit sozialen und nachhaltigen Themen, ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen im Unternehmen und ein Auftreten, das Mitarbeiter gleichsam inspiriert wie motiviert. So wird es vielleicht, trotz des Alters oder des fehlenden Doktortitels, doch noch etwas mit einem Platz an der Spitze.

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