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Ramen-Suppe
Japanische Kultnudeln für die Mittagspause

01/2020

Eine Nudelsuppe gilt hierzulande als profanes Gericht. Doch ihre japanische Verwandte Ramen zählt zu den Trendgerichten. WAGEN EINS klärt auf, ob sie auch zum Business Lunch taugt.

Wenn in einer deutschen Stadt derzeit ein asiatisches Lokal neu eröffnet, dann ist es mit großer Wahrscheinlichkeit eine japanische Ramen-Bar. Die Spezialität: eine Schale deftiger Suppe, mit langen, leicht gewellten Nudeln, vielseitiger Einlage und reichhaltigem Geschmack. Wer chinesische Nudelgerichte und vietnamesische Pho-Suppen mag, wird auch von Ramen begeistert sein.

Für die gemeinsame Mittagspause mit Kollegen eignet sich das Gericht gut, weil es vielseitig ist und eine große Auswahl besteht. Neben der Art der Brühe variieren auch die Einlagen, die sogenannten Toppings, von Fleisch über Meeresfrüchte und Fisch bis zu Gemüse, Ei, Algen und Pilzen. So entwickelt jeder Koch seinen eigenen Stil. „Prinzipiell kann man jede Zutat für Ramen verwenden. In 100 Ramen-Restaurants gibt es 100 verschiedene Geschmacksvarianten“, erklärt Saeki Haruhiko, der bereits 2007 das erste Ramen-Restaurant in Düsseldorf eröffnet hat, in einem Interview mit Japan Digest. Während die Japaner bei der Wahl der Einlagen sehr klassisch seien und ihren Fokus auf Nudeln und Brühe legten, zähle in Deutschland vor allem das, was neben den Nudeln in der Schüssel liegt, von unterschiedlichen Gemüsesorten bis zum Teriyaki-Huhn.

Bei Ramen macht die Brühe den Geschmack

Der Begriff Ramen bezeichnet einerseits das gesamte Gericht und andererseits die Nudelsorte. Die etwa 3 Millimeter breiten, spaghettiähnlichen Teigwaren bestehen aus Weizenmehl, Eiern und kansui (alkalischem Mineralwasser) und werden erst kurz vor dem Servieren in die Suppe gelegt. Für den intensiven Geschmack – umami – ist die Brühe verantwortlich. Die gibt es in vier Grundarten: Shoyu basiert auf Sojasoße und Fleischbrühe, bei Miso ist eine Sojabohnenpaste die Hauptzutat, Shio ist eine klare, leichte Meersalzbrühe und für die gehaltvolle Tonkotsu werden Schweine- oder Hühnerknochen ausgekocht. Die Kombination aus üppiger Flüssigkeit und Nudeln machen das Gericht zu einem kalorienreichen Sattmacher, der sich nicht unbedingt für den täglichen, aber für den gelegentlichen Mittagstisch eignet.

In ihrem Ursprungsland Japan ist die Nudelsuppe gewissermaßen Kulturgut. Zur Mittagszeit bilden sich vor den etwa 200.000 ramen-ya in Japan lange Schlangen. Die Lokale haben den Charakter eines Schnellimbiss: Bestellt wird meist am Automaten vor dem Restaurant, die Suppe von der Theke abgeholt und am Stehtisch mit Blick auf die geschäftige Küche gegessen. Gegessen? Geschlürft! Das geräuschvolle Einsaugen, das lautmalerisch susuru heißt, gehört in Japan dazu, denn so kommt die Suppe gleich mit den Nudeln in den Mund. Außerdem entwickle sich durch die gleichmäßige Speisen- und Luftzufuhr einfach mehr Geschmack, schreibt die japanische Botschaft auf ihrer Webseite.

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Tipps für unfallfreien Ramen-Genuss

Beim Business Lunch schlürfend die Nudeln einsaugen, dabei ungewollt für Spritzer auf Hemdkragen, Brille oder Geschäftspartner sorgen, ist hierzulande hingegen nicht gerade kniggetauglich. Am einfachsten ist es, die Nudeln mit den Stäbchen aus der Schale zu fischen, auf dem flachen Keramiklöffel zwischenzulanden und sie schließlich in den Mund zu befördern. Gut ist es auch, sich die Schüssel so nahe wie möglich an den Mund zu holen. Das alles bedarf ein wenig Übung, weshalb man seine Ramen-Premiere besser mit guten Freunden oder zumindest vertrauten Kollegen durchführen sollte. Je nachdem, mit welchem Ziel ein geschäftliches Essen stattfindet und wie gut man über Offenheit, Vorlieben und Fähigkeiten seines Gegenübers in Sachen asiatischer Kulinarik Bescheid weiß, kann es ratsam sein, doch lieber ein anderes Lokal – oder zumindest ein anderes Gericht zu wählen.

Mit ein bisschen Stäbchen-Technik und Training sollte man aber unfallfrei durch Mittagspause oder Geschäftsessen im Ramen-Lokal kommen. Damit auch das Bestellen problemlos geht, hier das kleine Ramen-Wörterbuch der gängigsten Einlagen:

  • Chashu: gegrilltes oder gebratenes Schweinefleisch, in dünne Scheiben geschnitten
  • Moyashi: bissfeste, leicht süßliche Sojasprossen; ein Ramen-Klassiker
  • Frühlingszwiebeln: nicht nur in Japan Standard-Einlage
  • Nori: getrocknete Seetangblätter
  • Horenso: Spinatblätter
  • Shiitake: Pilze
  • Tamago: ein gekochtes, wachsweiches Ei
  • Menma: eingelegte Bambussprossen
  • Kimchi: eingelegter Spitz- oder Chinakohl
  • Naruto und Kamaboko: gedämpftes, püriertes und geformtes Fischfleisch

WAGEN EINS

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