Drei Geschäftsreisende, ein Ziel, drei Verkehrsmittel
© Marc Krause

Streckenvergleich
Flieger, Auto oder Bahn?

Wir wollten wissen, welche Vor- und Nachteile welches Verkehrsmittel hat – und baten drei Geschäftsreisende, eine internationale Strecke zu testen.

Frankfurt am Main, sechs Uhr morgens: Hier brechen drei Geschäftsleute auf, um nach Zürich zu reisen. Bernhard Telge (l.), Travelmanager von Alstom, steigt in den ICE, Michael Günther (M.), Travel­manager von UBS, nimmt einen Mietwagen, und Werbekaufmann Till Sivkovich (r.) fährt zum Flug­hafen. Fünf Stunden später bittet WAGEN EINS die Reisenden an den runden Tisch in Zürich – und spricht mit ihnen über ihre Erfahrungen.

Wie war die Reise?

Bernhard Telge: Sehr angenehm. Ich konnte die Zeit gut nutzen, um in Ruhe zu frühstücken; das musste ich dann nicht im Hotel machen, was ja immer Zeit kostet. Ich hatte schon um sechs Uhr eine Zeitung zur Hand, so konnte der Tag entspannt beginnen.

Michael Günther: Ich musste schon nach wenigen hundert Metern unplanmäßig halten, weil ein Lkw entladen wurde. Das hat zehn Minuten gedauert. Danach kam ich auf der Autobahn zügig durch, bis ich bei Offenburg in einen längeren Stau geraten bin.

Wie schnell konnten Sie fahren?

Günther: Wo es die Verkehrssituation zuließ, erhöhte ich die Reisegeschwindigkeit auf maximal 180 km/h. Im Durchschnitt fuhr ich aufgrund diverser Baustellen und Limitierungen 100 km/h.

Da waren Sie schneller unterwegs, Herr Sivkovich …

Till Sivkovich: Ja, der Flug von Frankfurt nach Zürich dauert nur eine Stunde. Was mich stört, ist der ganze Sicherheitscheck vor dem Abflug: Schuhe ausziehen, Gürtel und Tasche öffnen, ist schon anstrengend.

Bahn... Bernhard Telge, Travelmanager bei Alstom © Marc Krause Bernhard Telge, Travelmanager beim Energie- und Transportkonzern Alstom und stellvertretender Leiter Fachausschuss Bahn beim VDR, liest auf der Zugfahrt Zeitung, ...

Wie haben Sie den Komfort auf der Reise empfunden?

Telge: In der 1. Klasse hat man viel Bein- und vor allem Seitenfreiheit, das ist angenehm.

Sivkovich: Im Flugzeug fühlt man sich eingeengt, ist dafür nicht lange unterwegs.

Ist denn der Vergleich mit der 1. Klasse bei der Bahn statthaft?

Sivkovich: Business-Class bei der Lufthansa heißt ja nur, dass auf der Kurzstrecke der Mittelplatz frei bleibt.

Wie haben Sie die Reisezeit genutzt?

Günther: Da ich selbst gefahren bin, konnte ich nicht viel tun. Allerdings habe ich mit dem Auto einen Raum, in dem ich vertrauliche Telefonate führen kann. Das geht in der Bahn eher schlecht und im Flugzeug überhaupt nicht. Mails lesen oder beantworten ist im Auto nicht möglich, auch nicht Notizen zu den Telefonaten machen – aber das vermisse ich auch nicht.

Telge: Ich habe mir heute Morgen eine Präsentation durchgelesen. Man kann die Zeit in der Bahn gut zum Arbeiten nutzen. Man sitzt komfortabel, kann sich konzentrieren und zwischendurch mal aus dem Fenster schauen. Manchmal kommt einem gerade dann ein guter Gedanke. Was mir auch gut gefällt, ist die Gelegenheit, mal aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen.

Wie erleben Sie das Autofahren generell?

Günther: Durch die Landschaft zu fahren kann auch für den Job inspirierend sein. Man hat die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen und Dinge neu zu durchdenken.

Sivkovich: Das sehe ich auf Kurzstrecke beim Fliegen nicht; den Stress mit dem Drumherum nimmt man mit ans Ziel.

... gegen Auto Michael Günther, Travelmanager bei UBS © Marc Krause ... während Michael Günther, Travelmanager beim Finanzunternehmen UBS, selbst den Mietwagen steuert.

Welche Rolle spielt der Faktor Zeit für Sie?

Telge: Das hängt vom Zweck der Reise ab. Meetings kann man so ansetzen, wie es den Teilnehmern am besten passt, damit sie bequem mit der Bahn anreisen können. Ist aber ein technischer Support in einem Kraftwerk gefragt, müssen die Mitarbeiter umgehend vor Ort sein. Dann sind Flugzeug und Auto natürlich die erste Wahl.

Sivkovich: Zeit ist wichtig, aber sie muss in Relation zu den Kosten stehen. Ich kalkuliere, ob sich ein Flug rechnet. Oder ob ich den Zug nehme, wo ich auch arbeiten kann.

Günther: Das sehe ich ähnlich, wobei es in unserem Unternehmen vorkommt, dass wir mit mehreren Kollegen gemeinsam nach Zürich reisen. Dann nutzen wir das Auto auch zur Vorbereitung auf ein Meeting und tauschen uns über Themen aus.

Wie setzen Sie bei der Reiseplanung die Prioritäten, Herr Sivkovich?

Sivkovich: Als Selbstständiger habe ich vor allem die Kosten im Blick. Fliegen ist eher die Ausnahme; Autofahren ist für mich vielleicht die emotionalste Sache, eine Fort­bewegungsart, die mir trotz aller Einschränkungen noch ein gewisses Gefühl von Freiheit vermittelt. Allerdings überlege ich mir bei Terminen in Großstädten angesichts der Verkehrsprobleme immer, ob ich nicht besser mit dem Zug fahre.

Wie steht es mit dem Faktor Umweltbelastung – wie wichtig ist Ihnen ein möglichst geringer CO₂-Ausstoß?

Telge: Als Energie- und Transportkonzern schauen wir intern natürlich ganz genau, in welchen Bereichen wir den Schadstoffausstoß und den Energieverbrauch verringern können. Zum Beispiel fahren auf unserem Werksgelände seit dem vergangenen Jahr Elektrofahrzeuge, die durch unsere solar- und windbetriebene Stromtankstelle aufgeladen werden. Wir appellieren an die Mitarbeiter, bei der Wahl des Verkehrsmittels die Umwelt im Blick zu haben. Wer Bahn fährt, fährt ja zu 100 Prozent mit Ökostrom (siehe Faktencheck).

Günther: Auch für die UBS ist dieser Punkt wirklich relevant; analog zu unserer Umweltmanagement-Norm ISO 14001 haben wir die Mietwagenkategorien auf Klassen mit geringem Schadstoffausstoß begrenzt und den Fuhrpark auf schadstoffarme Fahrzeuge umgerüstet bis hin zu vollelektrischer Mobilität. CO₂-Effekte durch Flugreisen kompensieren wir mittels Investitionen in nachhaltige Umweltprojekte.

Was würden Sie sich für Ihre Reisen künftig wünschen?

Günther: Weniger Baustellen – und gepflegte öffentliche Toiletten an den Autobahnen.

Telge: Wir wollen unseren Mitarbeitern das Reisen so einfach wie möglich machen. Was die Bahnbuchung angeht, läuft das über das Firmenkundenportal der Deutschen Bahn sehr einfach. Das funktioniert auch per Smartphone. Was ich mir wünsche, ist eine lückenlose Mobilitätskette, die ich in einem Rutsch bei der Bahn buchen kann – also Zugfahrt kombiniert mit Auto oder Fahrrad, je nach Bedarf.

Moderation: Uwe Pütz

Der Faktencheck

Von Frankfurt, Römer, bis Zürich, Paradeplatz

1) Bahn: 1.-Klasse-Fahrschein mit BahnCard Business 50 und Firmenkundenrabatt
2) Flugzeug: üblicher Flugpreis
3) Pkw: Mietgebühr für Mittelklassewagen, Kraftstoffverbrauch, Parkgebühr und Schweiz-Vignette
4) C02-Emissionen: Bahn: Mit bahn.corporate reisen Geschäftsreisende innerhalb Deutschlands im DB Fernverkehr mit 100 % Ökostrom, Bilanzgrenze gem. Umweltmobilcheck
5) Mittelwert aus Flugzeugtypen der Lufthansa für Inlandsflüge mit durchschnittlicher Auslastung; inkl. An- und Abreise sowie Rollverkehr auf dem Flughafen (gem. Umweltmobilcheck)
6) 1 Person; Mittelklassewagen; Pkw Diesel Euro 4 (gem. Umweltmobilcheck)